Kritik: Metal Diver Festival 2026
Marsberg wackelt, aber die Schützenhalle hält
Wenige
Wochen
zuvor
hat
an
dieser
Stelle
noch
Metal-Diver
Mitorganisator
und
Regisseur
Daniel
Hofmann
gemeinsam
mit
seinem
Filmteam
die
Premiere
des
neuen
Films
„Ehrenamt“
gefeiert,
der
danach
mitsamt
der
Filmcrew
durch
ausgewählte
Kinos
tingelte.
Nun
aber
wird
aus
Kinoatmosphäre
wieder
das,
wofür
die
Schützenhalle
in
der
überregionalen
Metal-Szene
seit
Jahren
steht:
Ein
Ort für laute Gitarren, regelmäßiges Nachhopfen und verschwitzte Kutten.
Die
Vorzeichen
könnten
kaum
besser
sein,
denn
die
Veranstaltung
meldet
nahezu
ausverkauft
–
nur
wenige
Resttickets
sind
vor
Beginn
an
der
Abendkasse
übrig.
Vor
der
Halle
glüht
bereits
die
Fritteuse,
während
sich
an
den
Theken
ausreichend
hopfenhaltige
Kaltgetränke
und
für
die
Schwangeren,
Pressevertreter,
Altruisten,
Doofen
und
Antialkoholiker
-und
beliebige
Schnittmengen
aus
vorgenannten
Gruppen-
auch
ordentlicher,
heißer
Kaffee
und
langweiliges
Wasser
stapeln
–
ein
bodenständiges,
fast
schon
familiäres
Festivalambiente, wie man es im Sauerland liebt.
Dabei
stand
das
Line-up
im
Vorfeld
unter
keinem
guten
Stern.
Eigentlich
sollte
die
schwedische
Death-Metal-Legende
Unleashed
auftreten,
doch
Sänger
und
Bassist
Johnny
Hedlund
zog
sich
kurzfristig
einen
Fußbruch
zu
und
musste
ins
Krankenhaus
eingeliefert
werden.
Die
Absage
sorgte
zunächst
für
Enttäuschung
unter
vielen
Fans,
doch
die
Veranstalter
reagierten
schnell.
Gespräche
laufen
bereits,
um
die
Band
zu
einem
späteren
Zeitpunkt
nach
Marsberg
zu
holen.
Als
kurzfristiger
Ersatz
springen
schließlich
Fleshcrawl
ein
–
eine
Entscheidung,
die
sich
im
Laufe
des
Abends
als
Glücksgriff
in
der
Not
erweisen
könnte;
denn
innerhalb
von
vier
Tagen
einen
ordentlichen
Ersatz
für
ein
Kaliber
vom
Schlage
der
Death-Metal
Pioniere
von
Unleashed
aufzutreiben,
ist
selbst
für
die
Marsberger Orga-Könige eine Herausforderung.
Den
Auftakt
um
18
Uhr
übernehmen
Powergame
,
die
mit
ihrem
klassisch
geprägten
Heavy
Metal
sofort
mit
Slaying
Gods
und
Twisted
Minds
klarmachen,
dass
halbe
Sachen
ihr
Ding
nicht
sind.
Ihr
45-minütiger
Opener-Set
wirkt
wie
eine
Liebeserklärung
an
die
Hochphase
des
80er-Metal
und
NWOBHM.
Treibende
Riffs,
hymnische
Refrains
und
ein
spürbarer
Spaß
an
der
Sache
sorgen
dafür,
dass
die
bei
diesem
Festival
traditionell
zum
Opener
bereits
gut
gefüllte
Halle
schnell
in
Stimmung
gerät.
Für
eine
Opening-Band
gelingt
es
Powergame
erstaunlich
mühelos,
das
Publikum
mitzunehmen.
Die
Gitarrenarbeit
überzeugt:
klassischer,
technisch
sauber
gespielter
Twin-Guitar-Sound:
Hier
wird
das
Rad
nicht
neu
erfunden.
Vieles
klingt
sicherlich
irgendwie
vertraut,
aber
nie
abgestanden.
Meint:
Kein
Schnick,
kein
Schnack;
auf
die
Zwölf
und
ab
durch
die
breite Mitte mit Schwung und Spaß. Chapeau, liebe Powergamer.
Ergänzend
lässt
sich
der
Auftritt
von
Powergame
auch
vor
dem
Hintergrund
einer
Kontroverse
betrachten,
die
die
Band
Mitte
2025
beschäftigte
und
von
der
die
Band
sicherlich
nicht
mehr
gerne
liest;
doch
da
müssen
sie
jetzt
durch...
Damals
trennte
sich
die
Ostwestfalen
von
ihrem
Gitarristen
Marc-Phillip,
der
als
Betreiber
des
YouTube-Kanals
„Clownswelt“
aktiv
ist.
Die
Band
begründete
den
Schritt
mit
politischen
Differenzen
und
erklärte,
man
wolle
sich
klar
von
den
dort
vertretenen,
rechten
Positionen
distanzieren.
In
der
Szene
sorgte
die
Entscheidung
durchaus
für
Diskussionen:
Während
ein
Teil
der
Fans
die
klare
Abgrenzung
der
Band
begrüßte,
kritisierten
andere
den
Schritt
als
unnötige
Politisierung
eines
musikalischen
Projekts
und
die
Art
der
Trennung
als
schmutzig
und
unsouverän,
insgesamt
gab
es
dazu
die
üblichen
halberlei
albernen
Grundsatzdiskussionen,
wer
nun
mehr
Metal
ist,
was
wahren
Metal
ausmacht,
wer
auf
keinen
Fall
mehr
Metal
sein
sollte
und
wer
das
alles
nun
zertifiziert
bestimmen
darf,
welche
politischen
Ansichten
in
diesem
Spektrum
genehmigungsfähig
sind
und
ob
eine
Band
eigene
„Personalentscheidungen“
treffen
darf,
ohne
zuvor
basisdemokratisch
die
X-
&
Facebook-Community
abstimmen
zu
lassen.
Für
Powergame
bedeutete
die
Trennung
jedenfalls
musikalisch
einen
markanten
Einschnitt,
da
Marc-Phillip
zuvor
über
mehrere
Jahre
am
Gitarrensound
der
Gruppe
beteiligt
gewesen
war.
Auf
der
Bühne
in
Marsberg
wirkt
die
Band
jedoch
gefestigt;
der
Auftritt
zeigt,
dass
sie
die
personelle
Umstellung
inzwischen
musikalisch
verarbeitet
hat
und
ihren
klassischen Heavy-Metal-Stil souverän auf die Bühne bringt.
Was
den
gesamten
Abend
prägte:
Guter
Sound
und
gegenüber
den
Vorjahren
eine
Verbesserung
beim
Licht.
Um
Punkt
19
Uhr
betreten
dann
Vulture
die
Bühne.
Die
Dortmunder
High-Speed-Metal-Truppe
bringt
sofort
eine
Portion
mehr
Aggression
ins
Spiel.
Rasiermesserscharfe
Riffs
und
ein
Nähmaschinen-Tempo,
das
kaum
Raum
zum
Durchatmen
lässt,
katapultieren
die
Schützenhalle
direkt
in
den
Nackenbrecher-Geschwindigkeitsrausch.
Das
Material
entfaltet
live
genau
die
rohe
Energie,
für
die
Vulture
inzwischen
bekannt
sind.
Das
Publikum
reagiert
entsprechend
und
die
Band
wirkt
eingespielt
und
hungrig
–
ein
klassischer
Festivalauftritt,
der
in
seinen
45
Minuten
kaum
Schwächen
zeigt
und
mit
Victim
to the Blade und Power Thrash endet.
Unser
allgemeiner,
spezieller
und
globalgalaktischer
Dank
gilt
dieser
Combo,
dass
sie
diesen
Nackenbrechersound
unserer
längst
vergangenen,
aber
wildesten
prägungsempfindlichen
Zeit,
bei
der
wir
gelernt
haben,
zwingend
auf
den
akustischen
Schlüsselreiz
von
Speed-Metal
mit
lustigem
Kopfwackeln
zu
reagieren,
auf
diesem
hohen
Niveau
am
Leben
halten
und
dabei
auch
noch
so
aussehen, als hätten sie eine Zeitmaschine hinter der Bühne versteckt.
Nach
kurzer
Umbaupause
folgt
um
20:05
Uhr
mit
Dragony
aus
Wien
der
melodische
Gegenpol.
Da
Sänger
Siegfried
nicht
dabei
sein
kann,
lastet
die
Verantwortung
für
die
Gesangsparts
ausschließlich
auf
den
Schultern
von
Sängerin
Maria,
die
diese
ungewohnte
Situation
jedoch
problemlos
meistert.
Die
österreichische
Power-Metal-Formation
bringt
eine
ganz
andere
Atmosphäre
in
die
St.
Magnus
Schützenhalle
Marsberg:
Epische
Keyboards,
große
Refrains
und
eine
deutliche
Portion
Fantasy-Pathos
mit
Twilight
of
the
Gods,
Gods
of
War
und
anderen
Ohrenschleifern.
Der
namensgebende
Hallenheilige
Magnus
mag
ja
in
seinem
Wirken
dereinst
diverse
Schlangen,
Dämonen
und
Drachen
gemeuchelt
haben,
während
des
Sets
von
Dragony
wendet
sich
das
Blatt
zeitweilig
zu
einem
gerechten
Unentschieden.
Meint:
Die
Drachen
fliegen
erfreulich
tief
durch
die
fleißigen
Headbanger.
Das
Set
wirkt
wie
eine
Reise
durch
melodischen
Fantasy
Power
Metal,
bei
dem
Mitsingpassagen
und
heroische
Gitarrenmelodien
dominieren.
Gerade
Songs
mit
hymnischem
Charakter
wie
„Beyond
The
Rainbow
Bridge“
funktionieren
hervorragend
und
sorgen
dafür,
dass
sich
die
Stimmung
vom
reinen
Abriss
hin
zu
euphorischem
Mitfeiern
entwickelt.
In
der
Mitte
des
Abends
platziert,
erfüllt
Dragony
damit
eine
wichtige
dramaturgische
Rolle:
Sie
bringen
Abwechslung
ins
Line-up
und
erweitern
die
stilistische
Bandbreite
des
Festivals deutlich.
Die
kurzfristige
Umbesetzung
macht
sich
um
21:15
Uhr
bemerkbar,
als
Fleshcrawl
die
Bühne
betreten.
Old-School-Death-Metal
ist
angesagt
–
roh,
kompromisslos.
Schon
mit
den
ersten
schweren
Riffs
wird
klar,
dass
hier
eine
andere
Gewichtsklasse
anrollt.
Kraftvoller
Gesang
aus
der
Hölle
von
Borisz
Sarafutgyinov,
der
für
den
2021
verstorbenen
Sven
Gross
das
Mikro
übernahm,
knochentrockene
Doublebass
und
dunkle
Gitarrenwände
lassen
die
Schützenhalle
in
einen
dichten
Soundnebel
eintauchen.
Klassiker
aus
dem
umfangreichen
und
seit
1987
gewachsenen
Repertoire
der
Band
und
neuere
Stücke
sorgen
für
eine
brutale,
aber
gleichzeitig
nostalgische
Atmosphäre.
Viele
Fans
begrüßen
den
kurzfristigen
Ersatz
enthusiastisch;
die
Energie
vor
der
Bühne
spricht
Bände:
Man
bittet
zum
Tanz.
Innerhalb
ihrer
60
Minuten
liefern
Fleshcrawl
ein
Lehrstück
darin
ab,
wie
traditioneller
Death
Metal
live
funktionieren
muss:
Druckvoll,
direkt
und
ohne
überflüssige
Schnörkel
einfach
mitten
durch
die
Nase
mit
dem
Dampfhammer ins Kleinhirn. Unser ganz persönliches Festival – Highlight!
Der
von
der
Running
Order
vorgesehene
Höhepunkt
des
Abends
folgt
schließlich
um
22:45
Uhr,
wenn
die
deutschen
Metal-Veteranen
Primal
Fear
als
Headliner
die
Bühne
betreten.
Die
Band
legt
mit
voller
Wucht
los.
Ralf
Scheepers
demonstriert
einmal
mehr,
warum
er
zu
den
prägnantesten
Stimmen
des
europäischen
Power
Metal
zählt.
Seine
hohen
Screams
sitzen
punktgenau,
während
die
Rhythmussektion
den
massiven
Soundteppich
ausrollt.
Die
Band
wirkt
routiniert
(sie
hatte
ja
auch
seit
1997
Zeit,
sich
auf
diesen
Auftritt
vorzubereiten
;-)),
aber
keineswegs
müde.
Gerade
in
einer
vollen,
kleineren
Halle
entsteht
eine
dichte
Atmosphäre,
bei
der
die
Grenze
zwischen
Bühne
und
Publikum
zeitweise
verschwimmt
und
der
Schweiß
von
der
Decke
tropft.
Es
gilt
allerdings
der
Geschmacksalarm:
So
ganz
ist
das
nicht
die
favorisierte
musikalische
Richtung
unseres
rasenden
Reporters
vor
Ort,
allerdings
ist
selbst
seinen
altersschwachen
Ohren
(die
er
lustigerweise
zwei
Tage
später
berufsbedingt
für
seinen
weiteren
Karriereweg
testen
lassen
muss:
Wir
sehen
rabenschwarz,
dass
er
neben
seinem
Metal-Diver-Gedächtnis-Tinitus
irgendetwas
hört…
:-)
Anm.
d.
Red.)
aufgefallen,
dass
das
Dargebotene
musikalisch
und
handwerklich
auf
allerhöchstem
Niveau
verhandelt
wurde
und
das
Bühnengeschehen
mitreißend
und
kurzweilig
war:
Der
75-minütige
Headliner-Slot
vergeht entsprechend wie im Flug.
Doch
der
Abend
ist
damit
noch
nicht
vorbei.
Als
offizieller
Rausschmeißer
um
0:20
Uhr
betreten
Pripjat
aus
Köln
die
Bühne
und
liefern
eine
letzte,
energiegeladene
Thrash-Metal-Dosis.
Die
Band
aus
Köln
ist
bekannt
für
ihren
politisch
aufgeladenen
Thrash,
der
musikalisch
stark
von
klassischen
Größen
wie
Slayer
oder
Kreator
inspiriert
sein
soll.
Irgendwer
hinter
uns,
meint
auch
Motorheads
Lemmy
nahezu
dämonisch
aus
dem
Pripjat-Sänger
singen
zu
hören,
wir
wissen
aber
nicht,
wieviel
Kaffee
der
Kollege
schon
getrunken
hat,
um
zu
dieser
Erkenntnis
zu
kommen.
Mit
schnellen
Nummern
wie
„Nuclear
Chainsaw“
oder
„Protect
and
Secure“
reißen
sie
die
letzten
Reserven
aus
dem
Publikum,
bei
Snitches
Get
Stitches
zählt
Bobo
4x
vor
;).
Die
Songs
funktionieren
wie
ein
finaler
Adrenalinschub
nach
einem
langen
Festivaltag:
Aggressive
Stücke,
die
direkt
ins
Mark
gehen.
Trotz
der
späten
Uhrzeit
lässt
der
aufrechtstehende
Teil
der
Metal
Diver Gemeinde mit erhobenen „Pommesgabeln“ den Abend ausklingen.
So
endet
ein
Festivalabend,
der
trotz
oder
wegen
der
kurzfristigen
Absage
von
Unleashed
eindrucksvoll
zeigt,
wie
flexibel
und
leidenschaftlich
die
Metal-Szene
funktionieren
kann.
Die
Mischung
aus
Heavy,
Speed,
Power,
Death
und
Thrash
sorgt
für
einen
abwechslungsreichen
Spannungsbogen,
während
die
Temporärbesatzung
der
Schützenhalle
Marsberg
beweist,
dass
auch
kleinere
Städte
mit
vielfüßiger,
-händiger-
und
-köpfiger
Unterstützung
und
Leidenschaft
große
Metal-Abende
auf
die
Beine
stellen
können.
Ehrenamt
halt.
Shuttlebusse,
Basisüberlebenssicherung
(Pommes/Wurst/Veggiefrikaduse,
den
Rest
kann
man
trinken),
geile
Bands
und
ein
enthusiastisches
Publikum
–
manchmal
braucht
es
gar
nicht
sieben
Bühnen
und
eine
vier
Kilometer
lange
Zirkusmeile,
um
ein
Festival
unvergesslich
zu
machen
.
Und
vielleicht,
wenn
die
Gespräche
erfolgreich
verlaufen,
erobern
Unleashed
irgendwann
doch
noch
Marsberg.
Dann
wäre
die
Geschichte
dieses
Abends
um
ein
weiteres
Kapitel
reicher.