RuhrGesichter Das Zeltfestival Ruhr am Ufer des Kemnader Sees feierte seinen Auftakt mit dem bereits Wochen zuvor restlos ausverkauften Gastspiel von Rea Garvey. Schauplatz: Das weiße Sparkassen-Zelt auf dem weitläufigen Areal des Festivalgeländes. Neben mehreren Veranstaltungszelten und einem lebhaften Markt der Möglichkeiten konnten die Musikfans sich hier vor dem Konzert mit kulinarischen Highlights verwöhnen, Kunstgewerbe erwerben oder auf der Außenbühne der Susanna Keye Band aus Bochum lauschen, welche die Besucher vorzüglich mit toller Stimme, klugen Arrangements und zu diesem Festival passenden Klängen unterhielt.

Rea Garvey                                                                    

live beim Zeltfestival Ruhr

Der   aus   der   irischen   Stadt   Tralee   stammende   Rea   Garvey   ist   eine   charismatische Mischung   aus   Entertainer,   Musiker   und   Geschichtenerzähler.   Er   präsentierte   in Bochum    eine    Mischung    aus    gefühlvollen    Pop    Balladen,    energiegeladenen rockigeren   Momenten   und   überraschend   persönlichen   Anekdoten,   vorgetragen mit    einer    guten    Portion    Charme    und    Selbstironie.        Als    der    Bühnenvorhang pünktlich   um   20   Uhr   fiel,   stand   Rea   in   Heldenpose   hinter   einem   wackeligen Leuchtmikroständer   und   stieg   mit   Free   Like   the   Ocean,   Is   it   Love?   und   Kiss   Me direkt ein in das erwartbare Hitfeuerwerk. An    seiner    Seite    seine    herausragend    versierte    Live    Band,    neben    Pat    Fa    am Schlagzeug,   Mark   Ferguson   am   Bass,   Uwe   Bossert   und   Simon   Fürst   an   den Gitarren wurde Rea von einer Violinistin aus Amerika unterstützt. Garvey     betonte,     dass     es     in     diesen     krisengeschüttelten     Zeiten     nicht selbstverständlich    sei,    mit    seinem    Publikum    zwei    tolle    Stunden    friedlich miteinander   feiern   zu   können.   Und   feiern   konnte   und   wollte   das   recht   bunt gemischte    Bochumer    (die    Stadtgrenze    zu    Witten    verläuft    quer    über    das Festivalgelände.   Liebe   Wittener,   seht   es   uns   nach:   Nach   unserem   Kenntnisstand befindet   sich   das   Sparkassenzelt   in   Bochum.)   Publikum   an   diesem   Abend   und stellte dies auch bei Beautiful Life und Water unter Beweis. Immer   wieder   lockerte   Rea   die   Pausen   zwischen   den   Songs   mit   charmanten Anekdoten   auf   –   etwa   vor   dem   Titel   Make   it   Rain   mit   der   Geschichte   über   seine Frau   Josephine,   die   er   vor   rund   25   Jahren   kennenlernte   und   die   ihn   zunächst abblitzen   ließ,   bis   er   sie   schließlich   doch   zum   Tanz   bat.   Seine   Nähe   zum   Publikum zeigte   sich   auch,   als   er   völlig   verschwitzt   sein   Hemd   öffnete   und   darunter   ein           T-Shirt   mit   der   Aufschrift   „Bochum“   zum   Vorschein   kam.   Das   Herz   von   uns Pottkindern ist nun einmal sehr einfach schon mit kleinen Gesten zu gewinnen…  Es   folgten   Somewhere   Close,   Colour   Me   In   und   Yeah   Yeah   Yeah,   bei   dem   das Publikum   den   Nachweis   erbringen   konnte,   dass   man   beim   Zeltfestival   Bock   auf Mitsingen    hatte.    Für    Tonight    schnappte    sich    der    mehrfache    „The    Voice    of Germany“-Juror   Rea   die   Akustik   Gitarre   und   gab   sein   Bestes,   sie   halberlei   nach Gehör   nachzustimmen:   „Ich   kann   spielen,   aber   im   Stimmen   war   ich   nie   so   gut. Die war schon so gestimmt, als ich sie gekauft habe.“ Der   für   uns   überraschendste   Moment   des   Abends   war   der   Auftritt   seiner   ältesten, mittlerweile   20-jährigen   Tochter   Aamor   bei   dem   Song   Halo,   einem   Lied,   dass   Rea für   eben   diese   Tochter   geschrieben   hatte   und   mit   der   er   nun   ein   fulminantes Duett   performte.      Auch   beim   brandneuen   Titel   Take   this   Heart   hatte   Aamor   ihren Auftritt. Im   Normalfall   werden   wir   als   bucklige   Konzertkritiker   überkritisch,   wenn   Stars ihre   Sprösslinge   auf   die   Bühne,   vor   die   Kamera   oder   ins   Studio   schieben,   um deren   Karrieren   einen   Anfangspush   zu   verpassen.   Die   Auftritte   von   Rea   und seiner    Tochter    wirkten    jedoch    so    natürlich,    familiär,    zugewandt    und    auch gesanglich    passend    solide,    dass    vor    allem    Halo    ein    echtes    Highlight    des Konzertabends wurde und dies nicht an der abgefeuerten Konfettikanone lag. New   Day   Tomorrow   widmete   Rea   seinem   Vater,   es   folgten   Can‘t   say   No   und   Oh My   Love,   gefolgt   von   einem   etwas   sehr   langen   Werbeblock   für   sein   im   Herbst erscheinendes   Buch.   Zu   erzählen   hat   der   Mann   aber   definitiv   etwas:   „Das   Leben hat    so    viele    Täler,    irgendwann    erreichst    Du    den    Boden.    Dann    kommst    Du entweder   unter   die   Erde   oder   Du   stehst   wieder   auf.   Und   ich   wollte   wieder aufstehen.“ Mit   I   don’t   Wanna   Go,   The   One   und   Wild   Love   bog   der   Konzertabend   in   die Zielgerade   ein;   doch   natürlich   gab   es   noch   Zugaben.   Der   Abend   endete   mit großer   Emotionalität:   Zum   Abschluss   um   kurz   vor   22   Uhr   sangen   alle   Fans lauthals   erst   den   Klassiker   Supergirl   und   dann   Can’t   Stand   the   Silence   mit   –   der gemeinsame      Chor      war      ein      klangvoller      Nachhall      eines      intensiven, schweißtreibenden Konzertes.